Ein alter "Rennweg" bei Lauterbach 

Unlängst hatte ich eine Anfrage zum Rennweg bei Lauterbach. Der Vorsitzende des Rennsteigvereins 1896 suchte nach Informationen zu diesem weitgehend unbekannten "Rennweg" in unserer Gegend. Man beabsichtigt, in naher Zukunft auch diesen Weg zu bewandern und etwas mehr in das Interesse zu rücken. Daher einige der wenigen heute noch bekannten Erinnerungen an den "Lauterbacher Rennweg": 

Der Rennweg in der Lauterbacher Flur ist auf dem Messtischblatt von 1904, basierend auf der Preußischen Landesaufnahme und unverändert veröffentlicht 1907 sowie mit Nachträgen 1936 als Weg eingetragen. Dort ist der Rennweg gut zu erkennen. Er führt als Höhenweg von der heutigen Landesstraße L1016 (Eisenach-Mihla-Mühlhausen) abzweigend oberhalb des Hellbaches ins Tal der Lauter hinab und zielt auf den Ortskern von Lauterbach. Der genaue Verlauf des Weges ist heute nach den vielen Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht mehr bekannt, in etwa jedoch in ungefährer Linienführung als landwirtschaftlicher Weg (Plattenweg) ausgebaut. 

In Lauterbach, eine alte Siedlung mit einer Nikolauskirche und als Wegeeinstieg in das Mittelgebirge des Hainichs auch in mittelalterlicher Zeit von Bedeutung (allein die Nikolauskirche lässt an Handelwege, Schutzpatron der Kaufleute denken), führte eine Straße über den "Krämersberg" hinauf zum Harsberg und von dort die alte von Mihla herauf kommende Handelsstraße über den Hainich, eine "Salzstraße", Hohe Straße", beim Forstnamen "Steiger" erreichend, über das Ihlefeld in Richtung Langensalza oder Mühlhausen. 

Unweit des Rennweges, etwa 3 Kilometer in Richtung Eisenach, ist noch der "Fürstenweg" aus Flurkarten bekannt, eine jüngere Heerstraße, die wohl im Zusammenhang mit den Verbindungen der landgräflichen Wartburg mit Besitzungen nördlich von Eisenach und des Hainichs in Zusammenhang zu sehen ist. Diese Straße mündete bei Berka in das "Lange Tal" und führte von dort aus auch zum eben beschriebenen Pass über den Hainich, dabei die landgräfliche Gerichtsstätte "Nuenhöge" (heute durch den "Malstein" bei Berka markiert) tangierend. 


Der Rennweg bei Lauterbach im Ausschnitt des Messtischblattes aus dem Jahre 1904, Ortsarchiv Mihla. 

Auch die verdiente Heimatforscherin Luise Gerbing beschrieb in ihrem Standardwerk "Die Flurnamen des Herzogtums Gotha" von 1910 die Flurnamen in der Gothaer Flur Lauterbach und nannte dabei auch den Rennweg. Im Begleitbuch zu ihrem Werk veröffentlichte sie auch eine handschriftliche Karte zur Lauterbacher Flur. Dort ist die Wegeführung des "Rennweges" gut erkennbar. Sie bemerkte darin zum Rennweg: "Der Rennweg nimmt seinen Ursprung am sö. Ende des Flurortes Birken und läuft nach dem Dorfe zu. Eine etwaige nähere Bestimmung des Weges ist nicht bekannt". 

Was bedeutete nun die Bezeichnung Rennweg? 

Ein Rennweg, der Name lautet in althochdeutschen etwa "renniweg", teils auch Rennsteig oder Rennstieg, markiert auf jeden Fall eine sehr alte Wegeführung, die meist in die frühmittelalterliche Zeit oder noch frühere Jahrhunderte verweist. 

Solche Wege dienten ursprünglich vor allem militärischen Zwecken. Manche Forscher leiten ihn von Rennen im Sinne von schnellem Reiten ab. Im Mittelalter wurden Rennwege im Gegensatz zur offenen Straße meist abseits von Siedlungen, gerne auf Höhenzügen und durch Wälder als geheime Direktverbindungen für kleinere Reitertruppen und Boten angelegt. Militärisch nutzte man sie für Überraschungsschläge, schnellen Rückzug oder für Kundschafter. Mitunter dienten sie auch der Verknüpfung adeligen Streubesitzes oder als kürzeste Verbindungen für Fernreisen des Adels mit kleinem Gefolge. 

All dies kann beim Lauterbacher Rennweg durchaus zutreffen. Auf jeden Fall hat sich in den Flurkarten nur ein kleiner Abschnitt dieser alten Wegeverbindung, die sicher von Creuzburg her kam und eine Fortsetzung über den Hainich fand, erhalten. 

Lämmerhirt