1866 – Deutsch-Deutscher Krieg 

Vor 160 Jahren, 1866, wurde unsere Heimat vom letzten deutsch-deutschen Krieg erfasst. Daran erinnert das im letzten November erneuerte Denkmal an der Straße von Berteroda nach Neukirchen. Was geschah damals: Im Juni 1866 fand bei Langensalza eine Schlacht zwischen der Armee des Königs von Hannover und preußischen Truppen und der Armee des Herzogtums Gotha statt. Damals ging es um die deutsche Einheit, die Bismarck als preußischer Ministerpräsident durch Kriege durchsetzte. Das Königreich Hannover war in diesem Kampf mit Österreich, dem Rivalen Preußens um die Führung im Kampf um die Einheit, verbündet. 


So sah er aus: Oberleutnant Ernst von Linsingen, gefallen bei Berteroda in der Nacht zum 25. Juni 1866, im letzten deutsch-deutschen Krieg, nach einem Gemälde im Besitz von Familie Drescher aus Berka. 


Das sanierte Denkmal für Ernst von Linsingen bei Berteroda. 

Bei Langensalza siegten im Juni 1866 zwar die Hannoveraner in einer blutigen Schlacht, aber drei Tage später musste die gesamte Armee, von den über Eisenbahn herantransportierten preußischen Truppen völlig umstellt, kapitulieren und in Kriegsgefangenschaft gehen. 

Was geschah nun im Vorfeld der Langensalzaer Schlacht bei Berteroda/Neukirchen: In der Nacht vom 24. zum 25. Juni 1866 hatten drei Kompanien des 1. Jäger-Bataillons aus Hannover, eine Eliteeinheit, unter Führung des Obersten von Decken, von Mühlhausen über Langula-Mihla marschierend Berteroda erreicht. Die Einheit, die Nachzügler der Hannoveraner einsammeln und gleichzeitig tief im Feindesland aufklären sollte, vermisste einige Transportwagen, die noch bei Ütteroda vermutet wurden. Der Premierleutnant und Adjutant des Obersten, Ernst von Linsingen, wollte ohne Begleitung in Richtung Neukirchen aufklären und stieß dort unerwartet auf eine Patrouille des preußischen Husarenregiments Nr. 9. Das preußische Husaren von Creuzburg aus aufklärend so nahe waren, hatte keiner der Offiziere des Jägerbataillons vermutet. 

Die Husaren zögerten nicht, den in der Dunkelheit völlig überraschten Offizier unter Feuer zu nehmen. Später sagten sie aus, sie hätten den unbekannten Offizier angerufen, dieser hätte aber zu seiner Waffe gegriffen. 

Linsingen erhielt einen Kopfschuss und verstarb. In Berterodaer Schloss, wo der Stab seiner Einheit untergekommen war, wurde der Schuss in der Nacht gehört und wenig später fand man den Gefallenen. Er wurde im Berterodaer Schloss aufgebahrt. Die Beerdigung durch preußische Soldaten erfolgte nach dem Weitermarsch der Hannoveraner am Tage darauf in Neukirchen. Preußische Soldaten gaben dem Feind die letzte Ehre. Auf Wunsch seiner Familie wurde der Leichnam später in das Familiengrab in Gestorf umgebettet. 

Seine Mutter ließ das heute noch erhaltene Denkmal errichten. Dieses wurde nun im November des letzten Jahres durch die Initiative des Neukirchner Ortsteilbürgermeisters Eckhard Pecher und der Chronikgruppe Neukirchen saniert. 

In der Vorbereitung dieser Sanierung wurde auch ein Gemälde des Oberleutnants bekannt, welches sich im Besitz der Familie Drescher aus Berka befindet. 

Die Umstände, weshalb dieses Gemälde wohl von der Mutter des Offiziers an die Vorfahren der Familie Drescher übergeben wurde, könnten damit zusammenhängen, dass es eine enge Verbindung zum Berterodaer Schloss gab. Vielleicht kümmerten man sich damals um die Aufbahrung des Offiziers im Schloss und aus Dankbarkeit und zur Erinnerung wurde das Bild später übergeben. Sei es wie es sei, nunmehr gibt es ein Bildnis von Ernst von Linsingen, welches auch an der Gedenktafel am Kreuz bei Berteroda zu sehen ist. 

Seit der Wiedererrichtung des Gedenkkreuzes unweit von Berteroda habe ich wieder mit den Vorgängen von 1866 beschäftigt. Dabei stieß ich auf die vom früheren Premierleutnant von Bredow verfasste Regimentsgeschichte der 9. Husaren, die im Jahre 1899 gedruckt veröffentlicht wurde. 

Ab der Seite 89 werden die Vorgänge bei Neukirchen aus preußischer Sicht genau geschildert.

Wir lesen dort, dass am Abend des 24. Juni 1866 Züge der 3. und 5. Eskadron des Regiments die Werrabrücke bei Creuzburg besetzten und den Flussübergang für nachfolgende Infanterie sicherten. 

Danach wurde der Leutnant Klüber mit einem Zug der 3. Eskadron beauftragt, über Ütteroda bis Berteroda vorzugehen und den Verbleib der gegnerischen Truppen aufzuklären. Dabei befragten die Husaren Einwohner von Ütteroda und Neukirchen und erfuhren in Neukirchen, dass kurz zuvor, es war inzwischen gegen kurz vor Mitternacht, starke Abteilungen der Hannoverschen Armee durchgezogen seien und in Berteroda im Quartier lagen. 


Uniform des 2. Rheinischen Husarenregiments Nr. 9 1866, hier ein Fähnrich. Foto aus Deutsche Uniformen Band 2, Zigarettenalbum 1933, Museum im Rathaus Mihla. 

Daraufhin ritt Leutnant Klüber mit seiner Einheit bis kurz vor Berteroda und stellte seinen Zug, gedeckt durch ein Weizenfeld, auf. Mit drei Husaren ritt er bis zur Chaussee von Eisenach nach Mühlhausen/Berka. Dabei erkannte der Husar Eiden einen einzelnen Reiter halten sehen und der Husar näherte sich dem Unbekannten. 

Husar Eider berichtete später, dass er näher an den Unbekannten wollte und dann erkannte, dass dieser eine Infanterieuniform trug, daher sicher ein Feind sein musste. Weiter in der Schilderung des Husaren rief dieser den Unbekannten an und ehe eine Antwort kam, habe er mehrere Reiter entdeckt, die sich näherten. Sein Pferd herumreißend spannte der den Karabiner und schoss auf den Reiter und traf ihn, wie sich später herausstellte, tödlich in den Kopf. 

Gemeinsam mit seinem Leutnant verbarg sich Husar Eiden dann im Weizenfeld und blieb unentdeckt, während die gegnerischen Reiter den gefallenen Hannoveraner bargen. Wenige Minuten vor Mitternacht brach dann der Husarenoffizier die Patrouille ab und ritt nach Creuzburg zurück. 

Soweit diese einzige bisher bekannte Darstellung der Geschehnisse um den Tod des Premierleutnants von Linsingen bei Berteroda aus preußischer Sicht. 

Alle anderen bisher bekannten Aussagen können dadurch nur bekräftigt werden und nunmehr ist sogar der Name des Schützen bekannt, der den Tod des Oberleutnants herbeiführte. 

- R. Lämmerhirt -