Gestaltungselemente am Roten Schloss 

In den letzten Monaten wurde viel über das Rote Schloss geredet. Der Landkreis als Eigentümer, der mögliche Investor und die Stadt Amt Creuzburg versuchen gemeinsam Wege zu finden, wie die seit Jahren geplante Sanierung und der Umbau zu Wohneinheiten gelingen kann. 

Daher wollen wir uns heute einige ganz besondere Gestaltungsmerkmale des Schlossgebäudes anschauen und damit auch den Blick auf die Besonderheiten des Roten Schlosses lenken: Das Haupthaus wurde wie wir aus einer Inschrift und den Akten der Familie von Harstall wissen im Jahre 1581 vollendet. Das Schloss entstand auf den damals noch vorhandenen Bauresten eines wesentlich älteren Wirtschaftshofes des Erzbistum Mainz. 

1581, das war die Hohe Zeit der Renaissance. Diese Zeit der Wiederentdeckung der Antike spiegelt sich vor allem auch in der Baukunst wieder. So finden wir ganz typische Bauelemente vor allem an der Gestaltung der Fenster und der Portale. 

Die Fenstergestaltung in der Renaissance (15. bis 16. Jahrhundert) zeichnet sich durch strenge Symmetrie und geometrische Proportionen aus. Nun dominiert das Rechteckfenster im Gegensatz zu den gotischen Spitzbögen. Die Anordnung der Fenster erfolgt nun rhythmisch. Als weitere Stilelemente kommen vertikale Steinstützen in den Fenstern hinzu, die die Fensteröffnung unterteilen. Diese neue Form der Fenstergestaltung ist beinahe vorbildlich in den Fenstern des Haupthauses des Roten Schlosses umgesetzt. Ebenso die Umrahmung im antik nachempfundenen Tempelstil und einem dreieckigen Segmentgiebel. 

Hinzu kam erstmals in den Fensteranlagen der Schlossbauten eine Verglasung mit kleinen Scheiben in Bleiglas und Holzrahmen. Dies ist heute in unserem Schloss natürlich so nicht mehr erhalten, aber gut vorstellbar. 

Ebenso typisch für jene Zeit ist die Portalgestaltung des Schlosses. Der Eingang zum Steiger, dem Hauptzugang zu den oberen Etagen in Form eines Wendeltreppenturmes mit den beidseitigen Sitzbänken, hat sich gut erhalten. 

Die Portale der Renaissancezeit orientierten sich ebenso wie die Fenster an griechischen Vorbildern des ionischen, korinthischen oder dorischen Stils, vor allem hinsichtlich des Aufbaus von flankierenden Säulen. Man gewinnt den Eindruck einer kleinen Tempelfront und dem Abschluss eins Gebälkes als Dreiecksgiebel. 

Schauen wir uns diese Gestaltungsmerkmale am Roten Schloss an: 


Symmetrisch zum Eingangsportal angeordnete schön profilierte Renaissancefenster an der Schaufront des Schlosses. 


Eingangsportal zum früheren Wendelstein, der Treppenanlage. Über dem Portal die Jahreszahl 1581 und die Buchstaben der Baumeister. In der runden Aussparung stand das Kopfporträt des Bauherren Hans David von Harstall. Es wurde nach Zeitzeugenaussagen 1945 von US-Soldaten als Zielscheibe verwendet und zerstört. 


1914 ließ der neue Besitzer Professor Binswanger aus Jena den Ostflügel abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Dabei orientierte er sich bei der Gestaltung des Eingangsportals am vorhandenen Vorbild des Haupthauses, aber eben nur teilweise. Der Rundbogen ist untypisch. Darüber die Jahreszahl der Erbauung und der Buchstabe B für Binswanger. 

- Ortschronist Mihla -