Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Jedes Ländlein braucht sein Wölflein...

Beginnen wir nach dem 30jährigen Krieg genauer nach dem westfälischen Frieden oder für unser deutsches Volk der erste Raubfrieden. Bedingt durch die Kleinstaaterei begann eine negative Entwicklung, die bis heute anhält. Betrachten wir nur die Bildungspolitik der heutigen Länder, so wird uns dieses Fiasko vor Augen geführt.

Durch den Krieg wurde die Bevölkerung extrem dezimiert und fast ein Drittel der Dörfer verödeten. Hunger, Verwahrlosung, heimatlose Menschen und Krankheiten waren an der Tagesordnung. In dieser Situation entwickelte sich die Wolfspopulation explosionsartig. Übergriffe auf Tier aber auch Menschen (verwahrloste Kinder) sind geschichtlich nachgewiesen. Die Not war das Gesetz.

Von da ab begann die systematische Verringerung der Wolfsbestände in Mitteleuropa. Wenn wir den Wolfsabschuss von 1740 in der Laußnitzer Heide betrachten so ist festzustellen, dass dieser nur 90 Jahre nach dem 30jährigem Krieg erfolgte und anzunehmen ist, dass der 41 kg schwere Wolf aus dem Osten zugewandert ist. Schon damals war er als Standwild nicht mehr vorhanden. Der letzte zuvor geschossene Wolf in der Heide bezieht sich auf das Jahr 1684.


Wolfssäule bei Laußnitz in der Laußnitzer Heide - Die Wolfssäule (auch Wolfsdenkmal) in der Laußnitzer Heide ist ein Jagddenkmal. Es erinnert an die Jagd vom 11. November 1740, bei der Rudolph Siegemunden von Nostitz (1696−1754), Sohn von Gotthard Rudolph von Nostitz (1674−1736), einen 82 Pfund schweren Wolf geschossen hat. 

Nicht die Gier auf Jagderfolg auf dieses stolze edle Großraubwild (Balg)sondern die pure Existenznot vor allem der kleinen Viehbauern führte zu einem regelrechten Vernichtungsfeldzug gegen den Wolf. 

Der Adel jagte vor allem zum Schutz seiner Hochwildjagden wie Rot- und Auerwild. In fast allen Teilen Deutschlands erging es Tieren wie Luchs, Fischotter, Biber oder dem Uhu ebenso. Auerochse und Bär waren schon oder wurden ausgerottet. Als der Hochadel dies gegen Ende des 19. Jahrhunderts in großen Waldgebieten noch zu verhindern suchte, war es vielfach schon zu spät. Durch den König von Italien konnte das Ende des Alpensteinbockes gerade noch verhindert werden. Der letzte Ort in Deutschland wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Wolf noch als Standwild vorkam, war der ostpreußische Kreis Suwalki. Als Gast war er in allen Revieren Ostpreußens und an den Grenzen zu Polen, Litauen und Russland präsent. Auch im Osten Brandenburgs und Sachsens (vor allem durch Kriegswirren) gab es immer wieder Wolfsnachweise.  Zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen Wolfsabschüsse oder -fang noch auf der Tagesordnung. Dies setzte sich durch die Wirren des 2. Weltkrieges fort und hielt im Osten Deutschlands auch nach dem Krieg an, da der Wolf im Jagdgesetz der DDR als jagdbar galt. Meinen ersten Kontakt als damaliger Forstlehrling mit einem Wolf hatte ich 1967 im Kreis Luckau in der Niederlausitz.  Das Tier wurde von LPG-Frauen zur Zeit der Kartoffelernte am Rande einer Kieferndickung gesichtet und als großer wolfsgrauer Schäferhund beschrieben. Anhand der Spur wurde von einem alten Jäger, der aus Ostpreußen stammte, unwiderruflich ein alter Wolf festgestellt. Es kam die Freigabe der UJB und der Wolf wurde erlegt. Der Grund für das Verhalten des Wolfes waren nicht die Kartoffelfrauen sondern der Hund, den sie wie z. Z. im bäuerlichen Einzelbetrieb mit aufs Feld genommen hatten. Der Hund ist der Erzfeind des Wolfes. Um es poetisch zu sagen hat wohl der genetisch reine Wolf es nie vergessen, dass Teile seiner Ahnen in grauer Vorzeit sich durch Domestizierung dem Menschen unterworfen haben. Es entstand die fast bedingungslose Unterordnung. Ganz anders ist das Verhalten der domestizierten Katze oder Gans einzuordnen. Der Wolf in Luckau war ein wiederholter biologischer Beweis, dass beim Raubwild oft ältere männliche Tiere ausgegrenzt werden (Führerwechsel im Rudel) und extrem weite Wanderungen unternehmen. Das die Ausbreitung durch Rudelteilung und Abwanderung vor allem von jüngeren Tieren in angrenzende unbesetzte Siedlungsräume erfolgt, ist normal. Sicherlich sind in den letzten 20 Jahren bei der Ausbreitung des Wolfes von Ost nach West auch neue Erkenntnisse in diesem Zusammenhang gesammelt worden. Beim Schalenwild ist es erfahrungsgemäß umgekehrt. In Laußnitz konnte man 1971 in der HO-Gaststätte (heute Laußnitzer Hof) schon mal Elchbraten probieren. Geschossen wurde ein junger Stangenelch. Meiner Cousine und deren Tochter gelang 1974 in der Königsbrücker Heide zur Pilzzeit die Beobachtung einer jungen Elchkuh mit 2 Kälbern.

Als vor wenigen Jahren auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf in Thüringen eine einzelne junge Wölfin nachgewiesen wurde war das für mich als Forstmann schwer nachvollziehbar. Die damalige Erkenntnis des Bürgermeisters von Mühlberg zu kommentieren, steht mir nicht zu. Bei der Ausbreitung des Wolfes sind Dinge gelaufen, die an der Gesetzlichkeit vorbeigegangen sind. Zur ungeahnten Vermehrung und der artuntypischen paarweisen Besiedelung der angrenzenden TÜP der Bundeswehr blieben Nachfragen vor allem in Sachsen ungeklärt. Jeder kann sich seine Meinung bilden, wie eine junge Wölfin genau den TÜP Ohrdruf erreicht. Der Weg von Spremberg bis dahin ist weit. Vor dem TÜP Ohrdruf kommen weiträumige Kulturlandschaften und dann das ruhige nicht so stark besiedelte und waldreiche Thüringer Holzland.

Der Schafzuchtverband Thüringens in Verbindung mit dem Landwirtschaftministerium sollte konsequent eine Genanalyse dieser Wölfin fordern. Fest steht für mich, dass sich dieses einzelne Tier wieder mit einem Hund oder Hybridrüden paaren wird. Wildbiologisch ist dies schwer nachvollziehbar, weil erwiesen, dass sich weibliche Wildtiere einer Art (z.B. Schwarzwild, Gans, Waldvogel) sehr schwer oder überhaupt nicht mit männlich domestizierten Tieren der gleichen Art paaren. Nicht der Hauseber dringt in die rauschende Rotte der Wildbachen ein, sondern der Wildeber in die der weiblichen Hausschweine bei Freilauf zur Eichelmast. Dass für Menschen kaum Gefahr vom Wolf ausgeht ist erwiesen. Eine entsprechende Regulierung durch Abschuss wird für jede Population zu einem gewissen Zeitpunkt eintreten. Das eigentliche Problem sind verwilderte Haushunde oder Wolfshybriden, die in verwilderten Hunderudeln oft das Leittier stellen (Jagdliteratur O.Paulini, Oberförster in den rumänischen Ostkarpaten). Verwilderte Hunderudel konnte man sogar noch in den 80er Jahren am Rande Moskaus vor allem am Morgen in Hotelnähe erblicken. Solche Tiere sind nachweislich verantwortlich für einen Großteil aller getöteten Haustiere (in seltenen Fällen auch Menschen) in den Weiten Russlands (Wildbiolg. Vortrag: 1972 FHS Schwarzburg; Prof. Stubbe). 

Sollte Wölfen der Einbruch in eine Schafsherde gelingen, verhalten sich diese völlig chaotisch und zeigen ein planloses Fluchtverhalten. Dies liegt im Ursprung der Domestizierung. Alle Schafhausrassen in Mitteleuropa stammen vom Wildschaf (Mufflon) der Inseln Korsika und Sardinien ab. Der dort fehlende Wolf ist somit in den Schutzgenen der Hausrassen nicht vorhanden. Die Muffelwildbestände der Lausitz sind auf Grund dieser Tatsache fast erloschen. Rot-, Reh- oder Schwarzwild zeigen ein völlig anderes Fluchtverhalten. Es wäre interessant zu erfahren, wie sich Schafe in Rumänien oder in anderen europäischen Ländern verhalten, wo der Wolf nie gefehlt hat. Hat sich evtl. ein anderes Fluchtverhalten entwickelt?

Als Mitglied der Thüringer Jägerschaft und Naturschützer möchte ich dem Verband meine Meinung zu Natur-, Tierschutz und Jagdwirtschaft unterbreiten.

  • Als Jäger begrüße ich die Rückkehr des Wolfes, der in einigen ostdeutschen Ländern seine Heimat gefunden hat. Die Weiträumigkeit und das große Rückzugsgebiet Richtung Westpolen sind vorhanden.
  • Thüringen wird ohne seine Schafzucht alte Kulturlandschaften verlieren, was auch zur Verarmung der Natur beiträgt. Es sollte Schafland bleiben.
  • In dieser Kulturlandschaft sollte unserem Niederwild wieder größere Aufmerksamkeit auch finanziell geschenkt werden (Auerwild-, Birkwild-, Rebhuhnprojekt).
  • Auch unsere deutschen Mittelgebirge sind auf Grund intensivster Besiedlung von den Tälern bis zu den Höhenlagen für den Wolf ungeeignet. Die Aufnahme ins Jagdgesetz sollte Deutschlandweit geprüft werden. Der von der EU erlassene Schutz von Hybriden ist nicht nachvollziehbar.
  • Naturschutzgelder sollten konsequenter für die Festigung der verbliebenen Restpopulationen von Birk- und Auerwild verwendet werden. Dass dies mit einem radikalen Abbau der Schwarzwildbestände einhergehen muss, steht außer Zweifel.
  • Hegegemeinschaften und Hegeringe sollten geschlossen die Rückkehr des Luchses begrüßen. Er wird in unseren immer naturnaheren Wäldern seine alte Heimat wiederfinden. Die Ernährungsgrundlage der sehr scheuen Großkatze ist der Wald.

Resümee:

Als vor Jahren in der italienischen Brentagruppe Wölfe ausgesetzt wurden, ahnte niemand wie rasend die Ausbreitung erfolgen würde. Nach dem Trentino sind die ersten Wölfe an den Südgrenzen Südtirols gesichtet worden. Was dies für die Existenz der kleinen Almbauern und Viehhalter auf den Hochalmen bedeutet, liegt auf der Hand. Hier handelt es sich um ausgeprägte Kulturlandschaften, die gerade durch Flächenaufgabe sehr leiden und somit auch der Tourismus.

Die Politik sollte endlich mal die Rechnung aufmachen und Wolfsgebiete klar abgrenzen. Anstelle eines Hybridbeauftragten sollte ein Beauftragter für die offene Landschaft dafür sorgen, dass an kommunalen Wegen und Feldrändern wieder Wildblumen und Ackerunkräuter blühen, Wildbienen summen und Vögel singen. Der amtliche Naturschutz hat in der offenen Landschaft restlos versagt.

Der Wolf war in Europa nie vom Aussterben bedroht. Die Regulierung durch Abschuss erfolgt in fast allen angrenzenden Ländern. In Frankreich wurde der Wolf auf eine Stückzahl von 500 begrenzt. Es gibt keinen Zweifel daran, dass in Deutschland zum heutigen Zeitpunkt zwischen 400 und 500 Wölfe leben (Statistik).  Wenn selbst ernannte Wolfsschützer staatlich geprüfte Jäger diffamieren und bedrohen, Hochsitze ansägen und Fallen zerstören oder gar Morddrohungen aussprechen, muss dies aufs schärfste bekämpft werden. Die Täter müssen bei der Destabilisierung einer jagdlichen Einrichtung davon ausgehen, dass der Benutzer zu Tode kommt. Dies ist vorsätzlich und bedeutet Haftstrafe. Wenn das Land sich nicht dafür verantwortlich fühlt, dass Naturschutz, Tierschutz und Jagd fair und ehrlich miteinander umgehen, sind wir als Jägerschaft gezwungen nach jagdwirtschaftlichen und politischen Alternativen zu suchen.

Statistik: Wolfspopulation Stand 2016/2017

Land

Wolfsrudel

Paare

Ungeklärte Gebiete

Brandenburg

22

3

4

Sachsen

14

5

1

Niedersachsen

14

4

1

Mecklenburg-Vorpommern

4

2

4

Bernd Büttner