Stolperstein verlegt 

In einer sehr emotionalen Gedenkstunde wurde vom Kölner Künstler Gunter Demnig in Mihla am Anger, direkt gegenüber dem ehemaligen Gasthof "Zum Schwan", ein "Stolperstein" verlegt. Er erinnert an den aus Netra stammenden jüdischen Kaufmann Julius Rothschild, der in in Mihla ein Textilgeschäft betrieb und im Gasthof im März 1934 so geschlagen wurde, dass er acht Tage später daran verstarb.

 

Auf Antrag der Gemeinde hatte Gunter Demnig diesen Stolperstein angefertigt und die Verlegung geplant.

 

Stolperstein verlegt 

Der Stolperstein von Julis Rothschild kündet nun in Mihla vom Mord an einen jüdischen Mitbürger.

 

Bürgermeister Rainer Lämmerhirt konnte neben den geladenen Gästen, darunter die beiden heute in Deutschland lebenden Neffen des Kaufmanns Julius Rothschild, Aron und Simon Rothschild, Klaus Fissmann, Bürgermeister der Gemeinde Ringgau-Netra in Hessen, der Heimatgemeinde von Julius Rothschild, Helmut Schmidt von der Aktionsgruppe "Stolpersteine" in Hessen, Herrn König vom Stadtarchiv Eschwege, der Unterlagen zum Tod des Kaufmanns im Eschweger Krankenhaus zur Verfügung gestellt hatte, dem Kreisdenkmalpfleger Herrn Funk, Herrn Pfarrer Hoffmann, Polizeiobermeisterin Bärbel Kirchner und den Mihlaer Steinmetz Dieter Schuchardt, welcher den Einbau des Stolpersteines sponsert und daher als Pate auftrat, viele Mihlaer Bürgerinnen und Bürger und Gemeinderäte begrüßen.

 

Er verwies in seiner kurzen Ansprache darauf, dass die Gemeinde Mihla mit dieser Aktion ein Zeichen setzen wolle gegen die Wirkung von Rassen- und Fremdenhass sowie gegen Unmenschlichkeit. Man sei aber auch in Mihla bereit, sich der Vergangenheit zu stellen und eine Mahnung öffentlich sichtbar zu machen, dass solche Vorgänge wie der politisch motivierte Totschlag an einem Mitbürger nicht in Vergessenheit geraten.

 

Deshalb wurde auch die Anwesenheit einer starken Schülerdelegation der Mihlaer "Thomas- Münzer"-Schule sehr wohlwollend aufgenommen. Die Schüler hatten sich im Vorfeld mit der Thematik beschäftigt und eine Schülerin trug zur Veranstaltung ein jüdisches Gedicht vor, ein Schüler verlas ausdrucksstark die bekannten Daten aus der Biographie des Julius Rothschild.

 

Die Verlegung des Stolpersteines wurde würdevoll durch die Gruppe "Spätlese" um Ines Andraczek umrahmt. Sie ließen spezielle jüdische Lieder erklingen.

 

 

Während der Gedenkstunde: Bürgermeister Lämmerhirt, die Gruppe "Spätlese", Bürgermeister Fissmann aus Netra.

 

Stolperstein verlegt 

Ein Blick auf die Gäste: Polizeiobermeisterin Kirchner, die stellvertretende Schulleiterin Frau Greger, Bürgermeister Fissmann, Simon und Aron Rothschild.

 

Eindrucksvoll waren die Grußworte, die dann gehalten wurden. Simon Rothschild schilderte das Schicksal seiner Familie. Der Vater seines Onkels starb aus Gram an diesem Mord ein Jahr später, sein Vater konnte trotz vieler Schwierigkeiten 1938 nach Palästina auswandern, andere Familienmitglieder wurden enteignet, vertrieben und mussten schließlich auf Transport in das Konzentrationslager Theresienstadt gehen, von dem keiner zurückkehrte. Diese Worte wirkten stark auf alle Zuhörer.

 

Auch Helmut Schmidt betonte, ebenso wie Netras Bürgermeister, die Wichtigkeit dieses Tages, gerade vor der aktuellen Situation in Deutschland. Es gelte, Zeichen zu setzen. Bürgermeister Fissmann bedankte sich bei den Mihlaern, auf diese Weise einen ehemaligen Mitbürger seiner Heimatgemeinde zu ehren. Herr Pfarrer Hoffmann fand schließlich die richtigen Worte, diese ungeheuerlichen Vorgänge in Mihla einzuordnen und ihre Wirkung zu deuten.

 

Nach der Gedenkfeier waren die Gäste noch zu Gesprächen, einen Imbiss und zum Besuch des Mihlaer Museums eingeladen. Von diesem Angebot wurde reger Gebrauch gemacht.

 

- Ortschronist-

 

 

 

 

Mihla, 24. 06. 2015