Heimatgeschichte

Herr Hans Jürgen Doppleb, aus Mihla stammend und heute in Kamenz wohnend, war in seiner Jugend ein leidenschaftlicher Flugmodellbauer. Noch heute ist seine große Leidenschaft der Fliegerhang des Harsberges und die dortige frühere Fliegerschule. So konnte Herr Doppleb viele wichtige historische Aussagen zur Geschichte der Fliegerschule erkunden und der Gesamtchronik dieser Einrichtung beisteuern. So manche wichtige Information stammt von ihm und er konnte Kontakte mit früheren Fliegern herstellen.

Seit einiger Zeit forscht er nun zu einem Kapitel der Harsberggeschichte, welches bis heute kaum bekannt ist, die Zeit der Modellbauschule. Dazu hat Herr Doppleb einen schriftlichen Beitrag verfasst, den wir in mehreren Teilen vorstellen wollen. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an diese Zeit und kann noch Fotos beisteuern?

 

Leider wurden in der Anfangszeit die Konstrukteure im Schriftfeld des Bauplanes nicht erwähnt, dort stand immer „Lehrerkollektiv der Flugmodellbauschule Harsberg“, doch bald trennte man sich von dieser Praxis.

 

Außerdem brachten Lehrgangsteilnehmer oft ihre in der Heimat angefertigten „Eigenkonstruktionen“ zum Lehrgang mit, die dann zum Teil überarbeitet, gebaut und oft sogar später als Bauplan gedruckt wurden, so dass der Flugmodellbau in kurzer Zeit eine große Verbreitung in der DDR fand.

 

Heimatgeschichte 

Der Konstrukteur A. Franke erklärt sein Modell. Die beiden letzten Fotos stammen aus dem Buch "Junger Modellflieger".

 

Heimatgeschichte 

G. Franke beim Antik-Modellflugtreffen im September 2014 mit seinem Modell, jetzt zeitgemäß ausgerüstet mit Funkfernsteuerung und Elektroantrieb, Foto Autor.

 

Um dem Mangel an Modellbau-Fachliteratur zu begegnen, entstand in dieser Zeit unter Mitwirkung der Fachlehrer der Modellbauschule das Buch „Junger Modellflieger“. Verantwortlicher Autor für den fachlichen Teil war übrigens der bereits erwähnte Modellbaulehrer Herr August Franke, der noch während des Krieges am Harsberg das Segelfliegen erlernte, den Luft-Fahrerschein erwarb und 1952 zum Lehrerkollektiv der Schule gehörte. Viele, auch später entstandene Flugmodellbaupläne sind sein Werk und bei Flugmodell-Wettkämpfen stand sein Name oft auf der Siegerliste.

 

Leider endete die Tätigkeit der Modellbauschule Harsberg in den Jahren 1954/55. Ein genaues Datum konnte nicht ermittelt werden, denn es wurden zum Schulende auch noch Fachlehrer für den Motorsport der GST ausgebildet.

 

Für den Flugmodellsport gab es inzwischen genug ausgebildete Übungsleiter und Modellbaulehrer, die in ihren Wohnorten das auf dem Harsberg erworbene Wissen weitergaben.

 

Hinzu kamen die ungünstige Lage der Modellbauschule im Südwesten der DDR und die Tatsache, dass zum Einfliegen und zu Vergleichen von Modellen oft mit dem LKW in offenes Gelände zum Leimberg bei Stockhausen gefahren wurde, um Modellverluste zu vermeiden.

 

Es waren ja alles Freiflugmodelle und so kam es, dass gelegentlich  ein Lehrgangsteilnehmer ohne sein mühsam gebautes Modell die Heimreise antrat.

 

Doch die Modellbauschule hinterließ ihre Spuren in Lauterbach, Mihla, im gesamten Kreis und der ganzen DDR. An vielen Schulen sowie im Pionierhaus Eisenach und auch in den Modellsportgruppen der GST wurden Flugmodelle gebaut.

 

Den wohl größten Erfolg in dieser Zeit errang der Lauterbacher Modellflieger Heinrich Gärtner, der mit seinem Modell in der Klasse A1 bei den Deutschen Meisterschaften der DDR 1958 in Görlitz den 3. Platz belegte.

 

Die Eisenacher Modellflieger Günter Schmeling und Horst Antoni wurden später sogar infolge ihrer guten Leistungen in der Klasse F1C für mehrere Jahre in die Nationalmannschaft der DDR berufen.

 

Heimatgeschichte 

Die Modellflieger des Automobilwerkes Eisenach, Günter Schmeling, Hans-Jürgen Doppleb und Horst Antoni 1964 bei einem Trainingsfliegen in der Nähe von Stregda, Foto Autor.

 

- Schluss folgt -

 

 

Mihla, 17. 12. 2014