Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

036924/47428

 

Historischer Rundgang 

Teil 1    Teil2

Mit einem historischen Rundgang stellen wir Ihnen Mihla vor. Planen Sie ein oder zwei Stunden gemächlichen Spaziergangs ein, Gelegenheit zum Schauen und Verweilen ergibt sich immer wieder.

Start sei in der Ortsmitte am Grauen Schloss. Auto: Bequem neben der Hauptstraße Mühlhausen - Eisenach finden Sie hier ausreichend kostenlose Parkplätze vor und hinter dem Schloss. Radfahrer biegen an der Werrabrücke vom Werrawanderweg ab und fahren noch ca 500m am Sportplatz vorbei. Wasserwanderer steigen am Sportplatz oder Wehr Mihla aus. Der Schlosswirt hilft Ihnen bei der Unterbringung Ihrer Boote.

 Wir beginnen unseren Rundgang in Richtung Werra-Wehr. Diese Staustufe zweigte bis in die Mitte des 20.Jh. einen heute zugeschütteten Kanal für ein Kraftwerk ab und hielt Unrat auf. Heute ist das Wehr bar jeder technischen Funktion. Man kann hier aber stundenlang verweilen, dem Rauschen zuhören, dem Spiel des Wasser zuschauen oder Anglern über die Schulter lunzen.


 

Auf dem gegenüberliegenden Ufer ziehen zwei Gebäude Aufmerksamkeit auf sich: Ein größeres Gebäude aus nicht allzu alter Zeit ist heute Motel. Einst soll sich dort das dritte Mihlaer Schloss befunden haben, welches die Ländereien im Werraknie bewirtschaftete. Neben dem Roten und Grauen war auch dieses Schloss nach einer Farbe benannt, man ist sich nur noch nicht so einig ob Blau oder Gelb.

Knapp oberhalb des Wehres liegt ein uraltes Fachwerkhaus: das Fährhaus. Man ist versucht "Hol über" zu rufen, doch seit dem Tod des alten Besitzers, eines Mihlaer Originals, tut sich hier leider nichts mehr.

 

In kälteren Winter frieren ruhige Werraabschnitte jetzt wieder zu. Dies war einige Dutzend Jahre nicht mehr der Fall gewesen, da die Werra wegen des Salzabbaus im Salzunger Gebiet einen höheren Salzgehalt als die Nordsee hatte. Damals gab es nur Aal und an einzelnen Stellen kurioserweise Regenbogenforellen im Fluss. Heute ist die Thüringer Kali-Industrie platt, dafür gibt es wieder mehr Fische in der Werra.
 
Schlendern wir nun auf einer kleinen Uferpromenade am Fußballplatz vorbei in Richtung neue Werrabücke. Jetzt ist es gut, trocken Brot für die meist anwesenden Schwäne dabei zu haben. Spätestens jetzt finden auch Ihre Kinder diesen Rundgang gut.

Von der Mitte der Brücke ergibt sich ein offener Blick in beide Flussrichtungen. In Richtung Wehr versperrt der Höhenzug Hainich den Horizont (410m üNN) und zwingt die Werra (hier etwa 200m üNN) schon sehr schnell in das berühmte Werra-Knie.
In entgegengesetzter Richtung ragen wenige hundert Meter entfernt Brückenpfeilerreste empor. Bis in den 2.Weltkrieg überquerte dort die Eisenbahnlinie Eisenach - Kassel den Fluss. Aber wie auch die Autobrücke wurde diese in den letzten Kriegstagen beim Rückzug gesprengt. Damit war dann auch der Anfang vom Ende der Bahn in Mihla eingeläutet. Die Autobrücke dagegen wurde recht schnell wieder errichtet und 1999 völlig neu gebaut.

 

Weiter über die Brücke kämen wir in Richtung Creuzburg nach 1km zum Mihlaer Freibad. Das Freibad, in den 70er Jahren durch die Mihlaer Einwohner im NAW (Nationalen Aufbauwerk) mit eigenen Händen errichtet, wurde in den letzten Jahren mit Edelstahlbecken völlig saniert und auf den letzten Stand der Technik gebracht. Vorwärmbecken bringen recht schnell annehmbare Wassertemperaturen.
 
Wir drehen jedoch um und folgen der Hauptstraße bis zur ersten Kreuzung. Auf der Süd-Westseite der Kreuzung steht ein einfacher Gedenkstein, der an die tragischen Ereignisse am 4.April 1945 erinnert. Deutsches Militär beschoss hier aus dem Hinterhalt den Spähtrupp überlegener amerikanischer Panzerkräfte und gab damit Mihla dem Schicksal der Zerstörung preis. Beherzte Bürger konnten Mihla jedoch retten.

Vom Gedenkstein aus überqueren wir die Kreuzung Richtung Sportplatz und "Goldene Aue". Dort finden sich Gaststätte mit sehenswertem Saal, Bürgerhaus, Jugendclub und Kegelbahn. Weiter entlang der Nebenstraße gelangen wir nach 200m auf eine neu gestaltete Kreuzung. Gegenüber erhebt sich imposant der Komplex des "Roten Schlosses".

Auf einen Fronhof des Mainzer Erzstiftes aus dem Hochmittelalter zurückgehend, wurde das "Rote Schloss" ab dem 16. Jh. in ein Fachwerkschloss mit feinen Stuckarbeiten umgebaut. Nach einer wechselvollen Vergangenheit im 20.Jh ist es heute (noch) ein Seniorenheim. Man kann jedoch ohne Probleme den Hof betreten und im Schatten riesiger Parkbäume die Pracht der Fachwerkgebäude bewundern.

 

Vorbei an einem Laden sind es nur 100 m bis zu einer Brücke über einen in grauen Beton eingefassten kleinen Bach - die Lauter. Während wir von der Hauptstraße rechts abbiegen und entlang des Baches spazieren, wundern wir uns über den Namen des Baches und die mächtig gewaltige, hässliche Betoneinfassung. Denn unten läuft nur ein kleines Rinnsal.

Die Lauter entwässert den westlichen Hainich ab Berka und hat wegen des Karstcharakters des Muschelkalkgebirges meist nicht viel zu tun. Wenn jedoch die vom Atlantik kommenden Unwetter auf den schroffen Westhainich treffen, müssen sie 200m steigen und stauen sich beim Abregnen. Bis in 1970er Jahre hinein wurde die Lauter dann für Stunden zu einem reißenden Fluss. Mittlerweile haben wir ein zweites Lauterbrückchen erreicht. Einer der Anlieger hat die Pegelstände markiert. Keller auspumpen, Stube, Schlamm, wieder neue Einrichtung ...

Nun versteht jeder, warum die Mihlaer die hässlichen Betonplatten ertragen. Noch gibt es keine andere Lösung. Aber Gedanken ...

An diesem zweiten Brückchen beginnt ein steiler Anstieg mit Treppe Richtung Kirche, der "Ölberg". Besucher können sich nicht mehr vorstellen, dass auf halber Höhe eine Wassermühle, die sog. "Bachmühle" stand. Und doch verrichtete hier einst ein weit oben abgezweigter Arm der Lauter seine Arbeit.

Schnaufend am Ende der Treppe angekommen, stehen wir schon fast auf dem Markt und vor der Mihlaer Kirche. Die Kirche liegt auf dem vordersten Sporn eines Hainichausläufers, der in 3 Richtungen nach Lauter und Werra steil abfällt (Eben haben wir eine Flanke erklommen). Im westlichen Teil des Kirchgartens kann man das gut erkennen. Ideale Bedingungen für eine Siedlung und so wundert es nicht, dass Mihla seine Wurzeln auf die germanische Zeit zurückführt und schon längst 1200Jahr-Feier der Ersterwähnung hatte. Bonifacius bekehrte damals die von den Franken besiegten Thüringer und war der Sage nach auch am Werraknie aktiv.

Als lokales Kirchenzentrum des starken Mainzer Bistums entstand bereits im 11.Jh. eine steinerne Kirche in Mihla. Heute sind von dieser Bausubstanz nur noch Teile im Breitturm erhalten, ebenso wie romanische Arkaden mit einfachen Würfelkapitellen zum Kirchenschiff hin. Dieser Bau ist der älteste erhaltene in Mihla und gehört zu den ältesten in Westthüringen.

Das zweifellos ebenfalls in dieser Zeit errichtete Kirchenschiff wurde 1711 völlig abgerissen und vergrößert im Barockstil wiedererbaut. Schnitzaltar, Emporen, Orgel und prachtvolle Wandgemälde laden ein zur Betrachtung des Inneren.

3 Glocken sind im Glockenhaus im Kirchhof zu besichtigen. Die mächtigste soll der Sage nach von kämpfenden Stieren aus dem Sand des Werraknies gewühlt worden sein, wo man ein altes Kloster vermutet...

Unterhalb des Glockenhauses steht ein Denkmal zur Erinnerung an die Mihlaer Opfer zweier Weltkriege. Gegenüber liegt der lindengesäumte Anger mit steinernem Tisch. Wenn die Mihlaer im Herbst mit viel Leidenschaft Kirmes feiern, wagen hier Husaren und Reiter ein hochoffizielles Tänzchen mit ihren Bräuten.

Nur wenige Schritte sind es von der Kirche zum "Grauen Schloss", Gerüchte behaupten einen unterirdischen Gang zwischen diesen beiden Herrschaftseinrichtungen. Wer weiß?

Natürlich ist hier auch ohne Geheimgang eine gute Gelegenheit, den Spaziergang abzukürzen. Wer dagegen weiter Mihlaer Geschichte mit Wallgräben, Räubersagen und Parks hautnah erleben möchte, ist herzlich eingeladen zum 2. Teil des Rundgangs.

 

Teil 2

Der zweite Teil unseres historischen Rundgangs beginnt auf dem Markt in der Ortsmitte, direkt vor der Kirche. Nach drei Seiten fällt der Platz ab, da Mihlas Kern auf einem Bergsporn gegründet wurde. Wir gehen jedoch ebenerdig auf dem Bergausläufer in Richtung Osten, die Marktstraße etwa 200 m entlang, vorbei an Rathaus mit Polizei und Bibliothek im Hof. Über dem Tor der Bibliothek, die in in einem alten Schulgebäude untergebracht ist, kann man übrigens nachlesen, wie der erste Teil des Spruches "Ohne Fleiß kein Preis" heißt.

 

Kurz hinter dem Rathaus ist eine Kreuzung. Zwei Hohlwege zweigen links und rechts stark absteigend ab, während die Hauptstraße gerade und eben weiterverläuft. Hier war einmal das alte "Stadt"-Tor, rechts und links verlief die Befestigung, die Hohlwege waren künstlich angelegte Gräben vor der Mauer. Leicht zu verteidigen. Heute ist Mihla weit über die einstigen Mauern hinausgewachsen, die somit ihren Zweck auf jeden Fall erfüllt haben.

Wir biegen links ab in den "Honiggraben", überqueren nach 200m die allzu belebte Mühlhäuser Straße und gehen am Brunnen vorbei in die Mühlgasse. Vermutlich bewegen wir uns dabei entlang des alten Dorfgrenze, an manchen Stellen meint man dies auch noch zu erkennen. Die ruhige und gut hergerichtete Mühlgasse mündet in einen kleinen Platz, an dem wir auf jeden Fall kurz verharren.

Die erste Sehenswürdigkeit erkennt der aufmerksame Spaziergänger sofort: Am Giebel des auffälligen Fachwerkhauses prangen dämonenhafte Schnitzereien: die Hölzerköpfe am Hölzerkopfhaus. Um diese Hölzerköpfe ranken sich mehrere sagenhafte Geschichten.

 

Eine erzählt, um 1608 habe sich ein Handwerksmeister hier niedergelassen und sein Haus abergläubisch mit Schnitzereien gegen böse Geister geschützt. Der bald "Hölzerkopf" genannte Einzelgänger verdingte sich beim Baron als Jäger und wurde alsbald ein unfehlbarer Freischütz, der schließlich in der wilden Jagd des Waldgeistes Elbel mit hetzte. Märchenhaft klingt auch die zweite, gar grausige Sage um das Hölzerkopfhaus.

Nicht sagenhaft, aber nur noch schwer erkennbar ist das E-Kraftwerk: Quer hinter dem größten Haus am Platze erstreckt sich das alte Turbinengebäude, gerade noch an den in der zugeschütteten Mauerbögen über den ehemaligen Turbinen erkennbar. Ein in den 70er Jahren zugeschütteter Arm der Werra verlief vom Wehr (Nähe "Graues Schloss") am Fuße des Ortes entlang, trieb in der ersten Hälfte des 20.Jh. im E-Werk Turbinen an und mündete direkt am Scheitel des Werraknies (Nähe "Hof Artelsbach") wieder ein. 

Schlagen wir den Weg zur Linken ein (Richtung Westen), lassen wir nach einigen Schritten die letzen Häuser hinter uns. Ganz unbemerkt stehen wir nun auf der "Insel", die der heute verschüttete Werraarm bildete. Rechterhand spenden stattliche Bäume eines kleinen alten Parks einem neu angelegten, hübschen Kinderspielplatz Schatten. Während wir die Kinder toben lassen, schauen wir den Pferden und Reitern zu, die hier in der flachen Werraaue seit dem Ende der 1990er Jahre einen freizügigen Platz erhalten haben. Eine gute Lösung für Festplatz und Bühne der großen 1200-Jahr-Feier, die seitdem nie wieder richtig auf die Füße kamen, jetzt aber zum jährlichen überregional bekannten Reit-und Fahrturnier wieder erblüht! Stall und Reiterzentrum liegen vor uns in alten Wirtschaftsgemäuern des "Grauen Schlosses".


Erholt gehen wir die letzten Schritte zurück zum Start unseres Rundgangs. Dabei können wir zur Linken recht deutlich die Lage Mihlas auf dem schon erwähnten Bergsporn über Werra und Lauter erkennen.

 

Zurück am "Grauen Schloss", nehmen wir uns jetzt Zeit für diesen ungewöhnlichen Renaissancebau der Barone von Harstall, die seit rund 500 Jahren im Dorf herrschten. Mehrfach umgebaut, entstand die heutige Form wohl im Wesentlichen um 1536. Schwer zu glauben ist allerdings, dass das Schloss auf eine Wasserburg zurückgehen soll. Die nahe Lauter und die Erinnerung an den zugeschütteten Werraarm lassen diesen Gedanken wieder möglich scheinen. Zumal der nahe Bergsporn beim Auftreten der Harstalls schon durch kirchliche Herren besetzt war, blieb den neuen Herren wohl nur diese Lösung übrig.

Heute wird das "Graue Schloss" als Restaurant und Hotel im mittelalterlichen Flaire genutzt. Einige Abschnitte sind bereits gründlich, aber stilgetreu saniert. Seien wir doch mal neugierig, der Wirt Herr Stötzel zeigt uns gern die romantischen Gaststuben und Zimmer.

Im Hotel selbst nicht zu merken, jedoch regional wohlbekannt ist das Dachgebälk des Schlosses als stabiles Fledermausvorkommen. Als "fledermausfreundliches Haus" ausgezeichnet, wird sogar der Zeitplan der Sanierung nach den Fledermäusen ausgerichtet. Keine Seltenheit also, wenn Naturfreunde abends im Biergarten diese harmlosen Tierchen beobachten können.

Sind wir einmal im Biergarten, sehen wir uns noch schnell das benachbarte Denkmal der revolutionären 1848er Ereignisse an, welches durch den Mihlaer Bildhauer Mater in den 1980er Jahren geschaffen wurde. Mutige Mihlaer trugen im März 1848 die schwarz-rot-goldene Fahne als Symbol gegen die feudale Kleinstaaterei und erhoben sich für die Abschaffung von Fron und Zinsbüchern durch Baron und Kirche. Mehrfacher Aufzug von Militär unterdrückte diese Bewegung.

Eine weitere Auszeichnung des "Grauen Schlosses" ist die als "nationalparkfreundliches Hotel". Also kehren wir doch zum Ende unseres Rundganges ein und genießen eine "Betteleiche" oder einen "armen Ritter". Prost und Wohl bekomms!

Vielleicht informieren Sie sich auch gleich im reichhaltigen Infomaterial über den nächsten Spaziergang rund um Mihla im Nationalpark Hainich oder eine Tour am Werraknie? Bis zum nächsten Male also ...