1737 - Zu Besuch beim letzten regierenden Fürstbischof von Fulda: Adalbert III. von Harstall 

Die Mihlaer Kirchenführerin Frau Dorothea Ratz hatte mich zu dieser Fahrt nach Fulda inspiriert. Sie hatte sich vor einigen Wochen auf den Weg gemacht, um in der Domstadt Fulda Spuren des aus der Diedorfer Linie der Familie von Harstall stammenden letzten Fürstbischofs, der sich nach seiner Weihe Adalbert III. nannte, zu suchen. Darüber berichtete sie mir dann und brachte auch einige Fotos mit. 

Adalbert wird im Museum im Rathaus ausgiebig gewürdigt. Wer sich mit der Geschichte der Adelsfamilie von Harstall beschäftigt, die ja ihren Hauptsitz in Mihla hatte, wird an Bischof Adalbert nicht vorbeikommen. 

Also entschloss ich mich, nach 30 Jahren Fulda ebenfalls zu besuchen und es wurde ein erlebnis- und erkenntnisreicher Tag. Dom, Domschatzmuseum, Harstallbrunnen, Innenstadt, auf den Spuren des Fürstbischofs, viele Spuren und neue Sichten. Ich bin Frau Raaatz für die Anregung dankbar. 

Wer war also dieser Adalbert III.? Am 18. März 1737 wurde auf dem Harstallhof in Treffurt dem bei den Eisenacher Husaren dienenden Leutnant Hartmann Georg Ernst von Harstall aus der Treffurt/Diedorfer Linie und seiner Ehefrau Theresia Sophia, geborene von Rettwitz, das erste Kind, ein Sohn, geboren. Einen Tag später erhielt dieser die Taufe, die der evangelische Pfarrer von Treffurt vornahm, und damit den Namen Wilhelm Adolf

Als Taufpaten wurden in das Kirchenbuch eingetragen: „Ihro Fürstliche Gnaden, Herr Adolphus Freyher von Dahlberg, gefürsteter Abt zu Fulda, Ihro Durchlauchtigster Herr Wilhelm Heinrich Hertzog zu Sachsen-Eisenach“. 

Diese Vorgänge um die Geburt des ersten von sieben Kindern der Familie setzt in Erstaunen. Die katholische Familie lebt in einem überwiegend protestantischen Ort, in Treffurt, und bei der Geburt des Sohnes hält ein evangelischer Pfarrer die Taufe ab. Taufpaten sind zwei Fürsten, ein katholischer Fürstbischof und ein protestantischer sächsischer Landesherr!

Man kann beinahe vermuten, dass diesem Kinde eine außerordentliche Entwicklung bevorstehen musste! Und so kam es. 


Porträt des Fürstbischofs mit den Wappen seiner Eltern und Vorfahren im Domschatzmuseum Fulda.

Schon 1759 trat er in den Orden des Heiligen Benedikt in Fulda ein. Zwei Jahre später erfolgte die Priesterweihe, dabei nahm er den Namen Adalbert an. 1773 wurde er in das Domkapitel berufen und übernahm schon 1778 die Propstei Thulba, die Voraussetzung für noch höhere geistliche Weihen.


Der Barockdom Fulda, Bischofskirche Adalbert III. und Stätte seiner Grablege. 

Am 25. September des Jahres 1788 verstarb nach längerer Krankheit der dritte Fuldaer Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra. Seit dem Jahre 1752 war die Fürstabteil Fulda in den Rang eines Fürstbistums erhoben worden, die Fürstbischöfe wurden dadurch Landesherren, übten Regierungsgewalt aus, Besaßen das Münzrecht und unterhielten eine eigene Armee, um nur einige der fürstbischöflichen Rechte zu nennen. 

Nach dem Tode des dritten Fürstbischofs war es nun nur folgerichtig, dass der zweitwichtigste Geistliche im Fürstentum, Adalbert III. die Nachfolge antrat. 

Am 18. November 1788 wurde er als Adalbert III. zum Bischof von Fulda gewählt und am 30. März 1789 von Papst Pius VI. bestätigt. Konsekriert wurde er am 15. Mai 1789 vom späteren Mainzer Erzbischof Karl Theodor von Dalberg. Am 27. November 1791 erfolgte die Belehnung mit den Regalien durch Kaiser Leopold II. als Reichsfürst

Was für eine Karriere! Als Sohn eines kleinen Husarenoffiziers geboren, aus Treffurt stammend, verhalf er der Familie von Harstall zu fürstlichem Glanz und hob diese damit weit ab von der Rolle der biederen Landadligen! 

Adalberts Amtszeit fiel in die Zeit zwischen Ausbruch der Französischen Revolution und dem Wiener Kongress, in eine Zeit umfassender politischer Umbrüche. Unter den militärischen Erfolgen des französischen Kaisers Napoleon zerbrach die alte Struktur des Deutschen Kaiserreiches und ihre Kleinststaatlichkeit. 

Damit endete auch die Eigenstaatlichkeit des Fürstbistums Fulda, das auf Drängen Napoleons 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss säkularisiert wurde. Die weltliche Herrschaft fiel an Fürst Wilhelm V. von Oranien-Nassau und dessen Sohn Prinz Wilhelm Friedrich von Oranien, Schwiegersohn des Preußenkönigs und nach Napoleons Niederlage späteren König Wilhelm I. der Niederlande. 

Adalbert von Harstall blieb aber Bischof von Fulda. Nach seiner Absetzung als Landesherr musste Adalbert das Schloss verlassen und lebte bis zu seinem Tod gegenüber im Palais Buseck, seit 1832 freiadeliges Damenstift Stift Wallenstein. Am 8. Oktober 1814 starb der letzte Fuldaer Fürstbischof und wurde vor dem Sturmiusaltar im Fuldaer Dom beigesetzt, sein Herz fand seinen Platz in einer Silberkapsel neben dem Bonifatiusgrab, dort in die Wand eingelassen.

Spuren dieses außergewöhnlichen Harstalls fand ich neben den benannten Stellen im Dom vor allem im Domschatzmuseum. 

   
Der Harstallbrunnen auf dem alten Gemüsemarkt mit dem Wappen des Fürstbischofs. 

Neben einem Porträt des Harstalls gibt es dort einige seiner Ornate zu sehen, auf denen das Wappen des Fürstbischofs gut erkennbar ist: Das Fuldaer Kreuz und die Adlerflügel der Harstalls. 

Sehenswert in der Altstadt ist auch der Harstallbrunnen, den der sehr sozial denkende Fürstbischof auf dem alten Gemüsemarkt errichten ließ. Auch diesen Brunnen ziert das eben beschriebene Wappen. Der Brunnen wurde 2019 erneuert. Während des 2. Weltkrieges wurde der Fuldaer Gemüsemarkt bei einem alliierten Luftangriff 1944 zerstört, so dass die Fuldaer ihn vor allem als Erinnerung an die Kriegsereignisse sehen. 

Weitere Spuren Adalbert III. kann man natürlich auch in Diedorf, dem eigentlichen Stammort der Familie, finden oder auch in Thulba und anderen Orten, in denen er gewirkt hat. 

Rainer Lämmerhirt