Archäologische Besonderheiten in der Region

Die Spornburg bei Lauterbach

Archäologie fasziniert viele Menschen. Wie kann es hier früher ausgesehen haben, oder, wo waren diese Gebäude, was war an dieser Stelle vor 500 Jahren?

Solche Fragen können mitunter durch die Wissenschaft der Archäologie beantwortet werden. Besonders wichtig sind solche Erkenntnisse, versagen die schriftlichen Quellen, wenn man auf Spekulationen angewiesen ist.

Seit einigen Tagen gibt es einen Archäologischen Wanderführer für den Wartburgkreis. Darin werden einige bisher kaum in der Öffentlichkeit bekannte archäologische Fundstellen Burgen vorgestellt.

So wird zum Beispiel oberhalb Lauterbachs im Bereich des heutigen Friedhofes der Standort einer mittelalterlichen Burganlage vermutet. Es gibt bisher keine bekannte schriftliche Urkunde oder andere Quelle, die über diese Anlage, deren Plateau an der West- Ost- und Südseite durch steile Böschungen geschützt ist und die im Norden einen noch gut erkennbaren Halsgraben aufweist, berichten. So ist man auf Vermutungen bzw. Ableitungen angewiesen:

Blick auf die oberhalb Lauterbachs im Bereich des heutigen Friedhofs vermutete frühmittelalterliche Spornburg.

Blick auf die oberhalb Lauterbachs im Bereich des heutigen Friedhofs vermutete frühmittelalterliche Spornburg.

 

In Lauterbach, einem Ort des 12. Jahrhunderts, gibt es die Nikolauskirche. Diese hatte eine Kapelle als Vorgängerbau. St. Nikolaus ist der Schutzheilige der Kaufleute. Nikolauskirchen stehen daher oft in Verbindung mit Kaufmannssiedlungen oder alten Handelsstraßen. Das Letztere trifft in Lauterbach zu. Von hier aus führte eine alte Zubringerstraße über den Krämerberg zur Hohen Straße, vorbei an der Zollbank, bis zur Betteleiche und über den Hainichpass nach Langensalza. Genau am Aufstieg dieser Straße lag die einstige Höhenburg und es ist zu vermuten, dass sie als Sperr- oder Kontrollburg diente.

Im Altarraum der Lauterbacher Kirche wurde in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Grablege mit zwei Skeletten aus mittelalterlicher Zeit gefunden. Dies hat die Vermutung erhärtet, dass es in Lauterbach durchaus auch eine adlige Familie lange vor den Herrn von Creuzburg, von Hopffgarten oder Riedesel gegeben hat, die die Patronatsrechte über die Kapelle ausübten, dort bestattet wurden und ihren Sitz vielleicht in der Burg oberhalb der Kirche gehabt haben. Solchen Uraltadel gab es auch in den anderen Orten, so die Herren von Mihla, von Nazza oder eben von Creuzburg. Offenbar hat diese leider nicht schriftlich fassbare Familie keine weiteren Spuren hinterlassen und ist wohl auch schon sehr früh durch wichtigere und bedeutendere Familien verdrängt worden, so dass es bei den hier ausgesprochenen Möglichkeiten bleibt. Klarheit würde wohl erste eine gezielte Grabung im Bereich der kleinen Burganlage bringen, die sicher im Zentrum nur mit einem hölzernen Burgturm und einigen Wirtschaftsgebäuden bebaut war.

R. Lämmerhirt

   

  ?