Gemeinde Mihla

Hainichgemeinde am Werraknie

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Statistiken

Grafiken zu Entwicklungen der Gemeinde Mihla

Seit einiger Zeit wird vor dem Hintergrund der Gebietsreform heftig diskutiert, wer mit wem, weshalb, welche Lösung ist für die Zukunft günstig, muss das sein… Vielfach gibt es Berührungsängste, was passiert dann, wer entscheidet wie über uns, solche Fragen werden ständig gestellt. Sicher sind sie alle berechtigt.

Für die Gemeinde Mihla gibt es mit dem im letzten Jahr erstellen ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) erstmals genaue und gesicherte Angaben bis zum Jahre 2013 über die bisherige Entwicklung, über Stärken und Schwächen und auch mögliche zukünftige Szenarien.

Die Mihlaer Gemeinderäte kennen diese Ergebnisse, sie sind aber auch öffentlich einsehbar.

Um solche Stärken und Schwächen unseres Ortes darzustellen, öffentlich zu machen, damit für die Bürgerinnen und Bürger Aussagen zu treffen, die vielleicht bei der eigenen Meinungsbildung helfen, wollen wir solche Aussagen aus dem ISEK veröffentlichen und auch dort, wo es notwendig und wichtig ist, kommentieren.

Ein Problem ist die Bevölkerungsentwicklung. In Thüringen wurden bis zum Jahre 2012 folgende Entwicklungen amtlich festgestellt:

Das Land Thüringen hat bezogen auf das Jahr 1990 15 Prozent an Einwohnern verloren. Dabei lag der Rückgang in den kreisfreien Städten (wie Eisenach) bei 10,3 und in den Landkreisen bei 14,5 Prozent. Der Wartburgkreis verlor im Vergleich 15,3 und der Unstrut-Hainich Kreis 15,1 Prozent an Einwohnern. Für Mihla liegen gesicherte Zahlen für den Zeitraum von 1994 bis 2013 vor:

Bevölkerungsentwicklung

1994 gab es mit dem OT Buchenau etwa 2680 Bewohner, bis 2013 ging diese Anzahl auf 2190 zurück. Seither kann diese Zahl in etwa gehalten werden.

Wo liegen die Hauptursachen für diese Entwicklung, die natürlich entscheidende Auswirkungen für die Zukunft hat?

Ein Grund hierfür liegt im immer noch bestehenden Missverhältnis zwischen Geburten und Todesfällen. Unsere Gesellschaft veraltert zusehends, natürlich auch in unserem Ort.

Im Jahre 2000 gab es 18 Geburten aber 29 Sterbefälle. Diese negative Tendenz hält ununterbrochen an, wobei in den letzten Jahren doch stabile Geburtenzahlen mit einem Durchschnitt von 12 bis 15 Geburten erreicht werden konnten. Die Sterbefälle lagen dagegen immer zwischen 20 und 30 Verstorbenen.

Diese Negativtendenz, insgesamt gesehen liegt Mihla mit den Geburten eigentlich gar nicht so schlecht, konnte bisher auch nicht durch einen verstärkten Zuzug von Ortsfremden ausgeglichen werden.

Im Jahre 2000 zogen etwa 110 Personen nach Mihla, gut 95 verließen den Ort. Im Durchschnitt lagen die Werte bis 2013 immer zuungunsten der Gemeinde und verstärkten so das Bevölkerungsdefizit weiter. Ab 2013 scheint dieser Bann gebrochen, erstmals gab es seither mehr Zuzüge als Wegzüge. Unser Wohngebiet "Bei der Lehmgrube" ist beinahe vollständig bebaut, es gelingt in letzter Zeit auch jungen Leuten, die bisher aufgrund ihrer hohen Flexibilität den Ort verließen und sich dort ansiedelten, wo Arbeitsplätze und gute Einkommen geboten wurden, in Mihla zu bleiben und eine Existenz in der Heimat aufzubauen.

Die Ursachen hierfür liegen auf der Hand: Unser Ort hat hinsichtlich der Gewerbeangebote inzwischen einiges zu bieten, weit über 1000 Arbeitsplätze, zudem stimmt die soziale Infrastruktur mit Kitas, Schule, Vereinen, Freibad usw. Viel hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Wir erleben eine bereits recht lange anhaltende Konjunkturphase, die Zahl der Arbeitslosen in Mihla bewegt sich seit dem Jahre 2009 auf einem niedrigen Niveau und liegt bei unter 100 Personen.

Insgesamt, so die erste Aussage, scheint Mihla nicht schlecht aufgestellt, so die Zusammenfassung aus dem ISEK.

Hinzu kommt, und damit wollen wir uns demnächst beschäftigen, dass unser Ort seit einiger Zeit mehr " Einpendler" als "Auspendler" aufweist, auch eine interessante Tatsache, die natürlich wieder mit Infrastruktur und Gewerbe zu tun hat.

Wichtig für die aktuelle Situation der Gemeinde ist die Frage der Arbeitsplätze. In Mihla incl. dem OT Buchenau werden insgesamt, also in allen Bereichen, über 1000 Arbeitsplätze vorgehalten. Mehrere mittelständische Unternehmen entwickeln sich seit Jahren positiv, erweitern die Produktion und suchen Arbeitskräfte. Das wirkt sich, ebenso wie die zahlreichen kleineren Betriebe, Handels- und Handwerkseinrichtungen sowie die in öffentlichen Bereichen beschäftigten Arbeitnehmer auf diese Zahlen aus.

Seit 1998 liegt daher die Zahl der nach Mihla einpendelnden Arbeitnehmer über der Zahl der Auspendler. Aktuell sind das im Saldo über 100 Personen. Unser Ort zieht also aus der Region Arbeitskräfte an, Spitzenreiter ist dabei natürlich der Wartburgkreis mit 598 Prozent, die Stadt Eisenach mit 18 Prozent, aber auch der Unstrut- Hainich- Kreis mit gut 13 Prozent.

Diese Einpendler nutzen auch unsere Infrastruktur, von den Einkaufsmöglichkeiten über Ärzte, Kindergärten und Schule. So zeichnet sich zum Beispiel im Bereich der Kitas der Trend ab, dass die beiden Einrichtungen mit gegenwärtig 120 Kindern, die versorgt und betreut werden können, ausgelastet sind, aber auch wesentlich mehr "Fremdkinder" untergebracht sind als Kinder Mihlaer Eltern an andere Einrichtungen abgegeben werden.

Letztlich ist Mihla also nicht nur wirtschaftlich gesehen attraktiv, sondern auch hinsichtlich des gesamten Umfeldes. Dazu tragen auch die gut 15 aktiven Vereine bei, die das "dörfliche" Leben sportlich und kulturell bereichern und zudem meist eine intensive Jugendarbeit leisten.

Noch ein Blick auf die "Auspendler". Viele Mihlaer arbeiten in der Stadt Eisenach, 2012 waren das 38 Prozent aller im Arbeitsprozess Stehenden, 44 Prozent arbeiten in Betrieben oder Einrichtungen des Wartburgkreises, 2 Prozent im Unstrut-Hainich-Kreis.

Häufig wird gesagt, die jungen Leute gehen weg, dahin, wo Geld verdient wird. Das mag in etlichen Einzelfällen zutreffen. Schaut man sich die Gesamtsituation an, so ergibt sich für 2012, dass 2 Prozent aller Beschäftigten in Bayern, 1 Prozent in NRW und 6 Prozent in Hessen arbeiten, auspendeln, weitere 2 Prozent in anderen Bundesländern. 89 Prozent der Auspendler bleiben aber auch in Thüringen, wie ausgeführt, die meisten in der Region.

Trotzdem gibt es Probleme, zum Beispiel der starke Leerstand im Ortszentrum. Die Leerstandsquote liegt bei etwa 6, 8 Prozent, viele der Gebäude sind nicht verkaufbar, weil zu hoher Sanierungsbedarf oder keine günstige Lage. Das ist ein Problem. 2013 gab es bei 1100 Haushalten 76 leerstehende Gebäude. Das Verhältnis hat sich etwas verbessert, aber das Problem bleibt. Gleichzeitig gehen die Baulandreserven zurück. Im Wohngebiet "Bei der Lehmgrube" sind beinahe alle Grundstücke bebaut, weitere von der Gemeinde genehmigte Wohngebiete in privater Hand sind ebenfalls gefüllt, es bleibt die Lückenbebauung und die Frage der Leerstände im Ort selbst und das Problem, entschließt sich die Gemeinde zur insgesamt nur langfristig zu realisierenden Ausweisung eines neuen Baugebietes.

Schauen wir uns einige Folien an, die das Gesagte unterstreichen:

 

Wohnraum und Leerstände 

Eine Entwicklungstendenz hat das ISEK auch für Mihla aufgezeigt: Während sich die Wohngebiete am Rand der Ortslage gut füllen; die Gemeinde hatte in den letzten Jahren zwei privat durch Aufstellen von B-Plänen erschlossenen Wohngebieten und dem der LEG "Bei der Lehmgrube" zugestimmt und auf den Weg gebracht, gibt es im Ortszentrum immer mehr Leerstände.

Mihla ist mit dieser Entwicklung nicht anders aufgestellt als die meisten thüringischen Kommunen.

Gründe für den Leerstand im Zentrum sind meist die Überalterung der Bevölkerung, ungeklärte Eigentumsfragen oder ganz einfach das Problem, dass es günstiger ist, "auf grüner Wiese" neu zu bauen als zum Beispiel einen Fachwerkbau möglichst noch unter Maßgabe des Denkmalschutzes zu sanieren. Oft sind die innerörtlichen Grundstücke zu klein und bieten keine Parkmöglichkeiten oder Erweiterungsflächen. So standen im Jahre 2014 insgesamt in Mihla mit Buchenau 76 Wohngebäude leer. Das sind 6,8 Prozent der Gesamtwohnfläche.

Das ISEK schlägt verschiedene Möglichkeiten des Entgegenwirkens vor, so die Ausschöpfung von Förderprogrammen zur Ortskernsanierung sowie spezielle Einzelprogramme, mit denen Land und Bund auf diese Entwicklung reagieren. Und tatsächlich ist es der Gemeinde gelungen, in mehrere dieser Programme aufgenommen zu werden. Damit ist erstmals ein Instrument in die kommunale Hand gegeben, bestimmte Entwicklungen steuern zu können. Aber ohne das Interesse und den Einsatz der Bürger funktioniert das nicht, denn alle Förderprogramme können immer nur ein Zubrot zu den eigenen finanziellen Leistungen sein.

Trotzdem, auch der Abriss von nichtverkäuflichen Gebäuden zählt hierzu, konnten in der Bahnhofstraße und mit Abriss und Neugestaltung von Wohnflächen am Karl-Marx-Platz und in der Münsterstraße und der Zustimmung zu solchen Veränderungen bei Gebäuden in privater Hand wie zum Beispiel Am Hundsanger erste Erfolge erreicht werden.

Das Problem wird uns sicher weiter begleiten. Schon jetzt ist abzusehen, welche Gebäude in einiger Zeit zusätzlich leer stehen werden und wo es kam Möglichkeiten des Verkaufs geben wird.

Gleichzeitig werden Überlegungen angestellt, weitere attraktive Bebauungsflächen anzubieten. Dies ist allerdings ein Prozess, der recht lange in Zeit nimmt und zunächst den klaren Willen der Gemeinde und Möglichkeiten des Aufkaufs von Grundstücken voraussetzt.

Im ISEK wird dazu auf die Ausgewogenheit dieser Entwicklungen verwiesen, also nicht einseitig nur eine Ortsrandbebauung zu gewährleisten, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Ortszentrums im Auge zu behalten. Dies ist kein leichtes Unterfangen und dürfte auch die nächste Generation noch beschäftigen.